20. März 2013

Die größte Gefahr für die Gleichberechtigung ist der Mythos, wir hätten sie schon (Grete Nestor)

BPW Germany e.V.

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen arbeiten müssen, um auf das Jahresgehalt zu kommen, das Männer schon am 31.12. des Vorjahres in der Tasche haben.

Rechtzeitig zum diesjährigen Aktionstag bescheinigte das Statistische Bundesamt der Nation: Frauen verdienen in Deutschland weiterhin ca. ein Fünftel weniger als Männer. Ihr durchschnittlicher Stundenlohn liegt bei 15,21 €, der von Männern bei 19,60 €.

Es hat sich also nicht viel getan, seitdem der Equal Pay Day vor fünf Jahren das erste Mal als Kampftag gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern initiiert worden ist. Geändert hat sich aber die Aufmerksamkeit für den Skandal, er wird um diesen Tag herum öffentliches Thema, die Medien sind voller Analysen: Zu zwei Dritteln lassen sich die ungleichen Löhne darauf zurückführen, dass Frauen in den „Frauenberufen“ arbeiten, die generell schlechter bezahlt werden; sie sind in mittleren und höheren Führungsebenen seltener vertreten als Männer; ihr Anteil an Teilzeitarbeit und Niederiglohn beträgt 80%. Bei immerhin einem Drittel der Einkommen erfolgt die Lohndiskrimierung unmittelbar: bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen auch in Niedersachsen etwa 7 % weniger als ihre männlichen Kollegen.

Auch 2013 sind wir also weit entfernt von Geschlechtergerechtigkeit in den Arbeitsverhältnissen. Die unveränderte Lohndiskriminierung von Frauenarbeit in Deutschland ist ein Skandal, sie gehört gesetzlich verboten: Firmen müssen verpflichtet werden, gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu zahlen; ein gesetzlicher Mindestlohn von 10 € ist unbedingt notwendig, um Frauen aus dem Niedriglohnsektor zu holen. Dem Übel an die Wurzel gehen wir aber darüber hinaus nur, wenn wir die noch immer vorherrschende Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in den Fokus LINKER Politik nehmen und darauf zielen, die gesamtgesellschaftlich notwendige Arbeit gerecht zu verteilen. Deshalb ist der Equal Pay Day 2013 für die LINKE Niedersachsen auch Anlass, zur Unterstützung der Initiativen UmFairTeilen und Arbeitszeitverkürzung.jetzt aufzurufen; und zugleich von diesen zu fordern, Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus der Verteilung von Arbeit, Reichtum und Zeit zu nehmen.

Jutta Meyer-Siebert
Landesvorstand, Schwerpunkt Frauenpolitik